Sitzen wir uns zu Tode?

Sitzen wir uns zu Tode? 1344 697 Hanna Priebe

Sitzen wir uns zu Tode?

Sitzen ist gefährlicher als rauchen, tötet mehr Menschen als HIV und birgt mehr Risiken als Fallschirmspringen. Das ist das erschütternde Ergebnis einer Langzeitstudie zu den Gesundheitsschäden, die durch zu viel Sitzen angerichtet werden.

Langzeitstudie beweist: Viel sitzen schadet der Gesundheit

Wir sitzen uns zu Tode! Klingt übertrieben? Ist es aber nicht! Sitzen ist eine der größten potenziellen Gefahren für unsere Gesundheit. Das beweisen neuste Studien. Heißt das, Büro- und Schreibtischstühle sind jetzt lebensbedrohlich für uns? Fakt ist: Wir sind nicht dazu bestimmt, zu sitzen.

Der Körper ist dazu gemacht, sich zu bewegen. Jagen, überleben, fortpflanzen – nichts davon findet im Sitzen statt. Studien beweisen, dass wir unser Risiko an Krebs, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Rückenschmerzen zu Erkranken, mit einer einfachen Lebensstiländerung reduzieren können: Weniger sitzen!

Sitzen ist das neue Rauchen

Umfragen zufolge verbringen wir mehr als die Hälfte unserer Wachzeit im Sitzen – im Büro am Schreibtisch, vor dem Fernseher, beim Autofahren, im Zug und am Esstisch. Wer jetzt denkt: Aber dafür trainiere ich ja mehrmals pro Woche, der wird enttäuscht. Bewegung ist zwar gut für uns, kann aber nicht den Schaden ausgleichen, der durch langes Sitzen entsteht. Denn: Sitzen ist ein unabhängiger Risikofaktor. Ähnlich wie das Rauchen. Forscher ziehen hierbei sogar einen gewagten Vergleich: Sitzen sei das neue Rauchen.

Sitzen schaltet die Aktivität des Körpers aus

Doch warum ist langes Sitzen so schlecht für uns? Nach 30 Minuten Sitzen verlangsamt sich der Stoffwechsel in unserem Körper um 90 Prozent. Die Enzyme, die das schlechte Fett von den Arterien zu den Muskeln transportieren, wo wir es verbrennen, werden langsamer. Die Muskeln im Unterkörper sind ausgeschaltet. Und nach zwei Stunden sinkt der sogenannte „gute“ Cholesterinspiegel um 20 Prozent.

Sitzen schaltet die elektrische Aktivität in den Beinen aus. Es macht den Körper weniger empfindlich für Insulin, verursacht ein Absinken der Kalorienverbrennung und verlangsamt den Abbau gefährlicher Blutfette. Die Folge: Übergewicht bis hin zu Adipositas, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes Typ 2 und Krebs – all diese Zivilisationserkrankungen können mit einem bewegungslosen Lebensstil in Verbindung stehen. Doch wenn der Gang zum Fitnessstudio alleine nicht reicht, was können wir dann für uns und unseren Körper tun?

Wie ist das ideale Verhältnis zwischen Stehen und Sitzen?

Die Häufigkeit der körperlichen Bewegung ist der wichtigste Faktor – nicht die Intensität der Bewegung! Eine Faust-Regel lautet 40:15:5. Bedeutet: 40 Minuten sitzen, dann 15 Minuten stehen und 5 Minuten gehen. Das ist das optimale Verhältnis für eine gesunde Lebensweise. Doch eine Standard-Empfehlung gibt es nicht. Manchen tut auch ein Verhältnis von 85:15 gut, anderen von 70:30. Was bedeutet das für mich? Einfach Ausprobieren! Wir merken selber am besten was unser Körper braucht.

Wie wir einen bewegungsbasierten Lebensstil entwickeln

Damit man nicht auf dem Stuhl festkleben bliebt, gibt es einige Tipps: Wie wäre es damit einfach eine Erinnerung im Smartphone zu stellen, alle 20 Minuten für ein paar Minuten aufzustehen. Außerdem lassen sich meist einfach kurze Spaziergänge in den Alltag mit einbauen. Statt das Auto zum Bäcker zu nehmen, vielleicht einfach mal zu Fuß den Weg bestreiten. Und tatsächlich empfiehlt sich auch ein Stehpult im Büro.

Generell gilt: Wenn wir am Anfang ein paar Mal am Tag am Stehpult stehen können und uns zwei Stunden am Tag bewegen, sind wir auf einem guten Weg. Mit dem Ziel: die Hälfte des Arbeitstages stehend und bewegend zu verbringen. Anhänger von Stehpulten sind oft überrascht, dass sie mehr Energie haben, ihre Stimmung sich verbessert und sie nicht mehr den berühmt-berüchtigten Einbruch am Nachmittag haben. Sie sind produktiver und bewegen sich unbewusst mehr.

Ein Stehpult ist toll – aber nur ein Teil des Ganzen. Ziel Nummer eins muss sein, das Sitzen, insbesondere das kontinuierliche Sitzen, zu minimieren und einem regelmäßigen Trainingsprogramm zu folgen. Auch im Büro gibt es neben dem Stehpult einige Dinge, die wir tun können, um in Bewegung zu bleiben:

  1. Viel Wasser trinken. Abgesehen davon, dass es eine gute Gewohnheit ist, lässt es uns aufstehen und oft zum Bad gehen lassen. Nehmt gerne das WC, das am weitesten weg ist
  2. Zum Schreibtisch eines Kollegen gehen, wenn wir eine Frage haben, anstatt ihm eine E-Mail zu schicken
  3. Den Weg zu Terminen zu Fuß zurücklegen
  4. Weiter weg vom Eingang parken
  5. Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt: Eine Station früher aussteigen und weiter gehen
  6. Treppe statt Aufzug nehmen